Ein Rock im Mittelalter zwischen Text und Artefakt
Der Rock Christi ist das Kleidungsstück, das Jesus vor der Kreuzigung trug. Zugleich ist der Rock eine Reliquie, ein Akteur und Heilsbringer über den in spätantiken Legenden und mittelalterlichen Erzählungen berichtet wird. Darüber hinaus spielt der Rock als tatsächliche Reliquie eine Rolle, auf die mehrere Städte Anspruch erheben.
Am Beispiel des Rocks Christi, der zwischen Text und Artefakt changiert, zeigt der Beitrag, welchen Einfluss Geschichten auf die Zugehörigkeit und Verbundenheit zu Artefakten haben können.
von Nora Grundtner, TP A03
Ein Rock, ein Rock in einem Text, ein Text über einen Rock, eine Rocktextrezeption oder: warum Artefakte Geschichten brauchen, um als ‚Heimatartefakte‘ in Frage zu kommen.
Was ist ein (Heimat-)Artefakt ohne seine Geschichten? Konkret geht es um den Rock Christi, der in biblischen und legendarischen Texten überliefert ist und sich als Reliquie in Trier befindet. Über diese Reliquie wurden wiederum Texte verfasst, die unterschiedlich rezipiert wurden. Anhand von Artefakt und Texten soll die Frage, wie Ding und Texte sich wechselseitig beeinflussen, diskutiert werden. Welchen Einfluss haben Geschichten auf die Verbundenheit zu Dingen und was hat das alles mit Heimat zu tun?
Nicht irgendein Rock
Das Kleidungsstück, um das sich in diesem Beitrag alles dreht, ist nicht irgendein Gewand. Es ist das Kleid Christi, das durchgängig gewebt ist und keine Nähte besitzt. Über dieses, so wird im Johannes-Evangelium berichtet, werfen die Soldaten, während Jesus gekreuzigt wird, das Los (Joh 19,23–24). Wir haben es also mit einem Rock in einem Text zu tun. Wer der Gewinner dieses Gewandes ist oder was mit dem Kleidungsstück danach passiert, ist zumindest aus biblischen Schriften nicht bekannt.
Die Heilige Helena und Mutter von Kaiser Konstantin soll im 4. Jahrhundert nicht nur das Kreuz Christi gefunden haben, sondern neben einer Vielzahl an Reliquien auch den Rock. Diesen soll sie mit weiteren Reliquien nach Trier, der vermeintlichen Herkunft Helenas, geschickt haben. Doch diese Version der Legende ist erst in Schriften des 12. Jahrhunderts überliefert. Zuerst wird das im sogenannten und gefälschten ‚Silvesterdiplom‘ in der Gesta Treverorum, einer Geschichtssammlung über die Stadt und Kirche Trier, behauptet. Daneben findet sich diese Version aber auch in der Kaiserchronik (Pohlsander 1995: 119f.).

In der verbreiteten Helena-Legende, der Vita sanctae Helenae von Almann von Hautvillers findet Helena neben dem Kreuz eine Reihe weiterer Märtyrerreliquien, die sie in einer silbernen Lade Richtung Trier schickt (Almann von Hautvillers: §52). Von einer Rockreliquie ist aber keine Rede.
Von dieser berichtet die Fredegar-Chronik (8. Jh.), dass sie im 6. Jh. von König Guntram unweit von Jerusalem gefunden und nach Jerusalem gebracht wurde (Kohnen: 2014: 94). Diese Version der Auffindung des Heiligen Rocks ist auch im 12. Jahrhundert noch weit verbreitet, als bereits Trier in der Gesta Treverorum Anspruch darauf erhebt.
(Nicht) irgendein Rock oder: Ich taufe diesen Rock auf den Namen ‚Heiliger Rock‘
Eine Tuchreliquie ist auch schon vor dem 12. Jahrhundert in Trier. Jedoch ist man sich unsicher, ob es sich dabei um die Beinkleider oder den Purpurmantel Christi handelt. Dass diese Reliquie der Rock Christi sein könnte, stand dabei überhaupt nicht zur Debatte. Es ist möglich, dass diese unetikettierte Tuchreliquie durch die Gesta Treverorum als der Rock Christi aufgewertet wurde, um die Vormachtstellung Triers gegenüber anderen Bischofsstädten zu bekräftigen (Iserloh 1995: 164–168; Curschmann 1990/2012: Sp. 44).
Der Rock Christi tritt nun also aus dem Bibeltext heraus, wird über die Gesta Treverorum und die Kaiserchronik zu einem angreifbaren Artefakt in Trier. Inwieweit dies jedoch bekannt und verbreitet war, ist nicht bekannt. Der Rock spielt in den nächsten Jahrhunderten nämlich keine allzu große Rolle, vielleicht auch deshalb, weil eine Reihe anderer Stätte Anspruch auf diese Reliquie erheben (Kiening 2009: 385). Wieder greifbar wird Trier als Ort der Rockreliquie durch die Erzählung Der Graue Rock oder Orendel, der zuerst in einer Handschrift von 1466 überliefert ist (Miedema 2016:113f.).
Der Graue Rock
In der anonym überlieferten Erzählung Der Graue Rock, die eine bunte Mischung aus Legende, Abenteuerfahrt, Brautwerbungsgeschichte und Kreuzzugsglorifizierung ist, wird die wechselseitige Geschichte des Rocks Christi dargelegt.
Denn dieser Rock erlebt, nachdem er von Maria gefertigt und von Christus während seines Martyriums getragen wurde, noch manch weiteres Abenteuer: Er wird in den Tiefen des Meeres versenkt, von einem Meerwesen vergraben und von einem Pilger zurück ins Meer geworfen, wo es von einem Wal verschlungen wird. Dort bleibt der Rock, bis der Wal eines Tages von einem gewissen Orendel gefangen wird und so wieder das Tageslicht erblickt.
Orendel, der dritte Sohn des Königs von Trier, befindet sich auf dem Weg ins Heilige Land, um dort die Königin Bride zu heiraten, die Königin Jerusalems und deshalb auch des Heiligen Grabs.
Während der Rock, wenn andere ihn berühren, zerfällt, passt er Orendel hingegen nicht nur wie angegossen, sondern sieht aus wie neu. Orendel, der aufgrund eines Schriffbruchs nicht allein seine Kleider, sondern mit den Schiffen auch seine Männer verloren hat, hat mit dem Rock mehr als ein Kleidungsstück gefunden.

Unbekleidet war Orendel völlig orientierungslos, ein Fremder und wurde als Räuber betrachtet. Mit dem ungenähten Rock Christi ist er nicht allein bekleidet, sondern erscheint wieder als wirkmächtigen Akteur, der sein Ziel, das Heilige Grab von Heiden zu befreien und die Königin Bride zu ehelichen, erfolgreich verfolgen kann (Bowden 2012:149). Orendel in seinem grauen Rock wird von da an von allen Erdenbewohner*innen nur mehr als Grauer Rock angesprochen. Selbst nachdem er den Rock nach Trier überführt hat, er den Rock gar nicht mehr trägt, bleibt ihm diese Bezeichnung. Unter dem Namen Grauer Rock verteidigt Orendel bis zum Tod das Heilige Grab (Bildhauer 2020: 117).
Sehnsucht nach dem Rock?
Das Artefakt, der Rock Christi, steht in direktem Bezug zum Heiligen Grab, dem Sehnsuchtsort von Pilgern und dem Schauplatz von Kriegshandlungen (Jaspert 2011: 69 u. 77–80). Anders als das Heilige Grab ist der Rock portabel. So ist es möglich, ein Stück des christlichen Sehnsuchts- und Zielorts, nämlich Jerusalem an anderer Stelle zu verorten. Jerusalem und in weiterer Folge auch Trier sind Stellvertreterorte des himmlischen Jerusalems auf Erden. Trier hat dabei Anteil am himmlischen Paradies, der eigentlichen Heimat der Christen (Drijvers 1992: 112f.)
Der aus einem Stück genähte Rock gilt seit dem 4. Jahrhundert sowohl als Symbol für die Einheit der Kirche als auch für die Menschwerdung Gottes. Das Kleid, das Christus getragen hat, ist sowohl Ausdruck von Fülle als auch Leere. Denn durch die Kleiderreliquie hat man einerseits Anteil am Passionsgeschehen. Das Leiden Christi wird durch die Marter, die der Träger dieses Kleidungsstücks erleben musste, veranschaulicht. Andererseits wird durch das Kleid, das keinen Träger (mehr) hat, die Abwesenheit des Erlösers deutlich (Kiening 2009: 384). Der Rock steht für etwas, das besonders war, nun vergangen, aber nicht vorüber ist. Denn durch das Gedenken an das Leid wird die Hoffnung auf die Rückkehr des Erlösers wachgehalten. Der Heilige Rock Christi ist auf zwei Ebenen verehrungswürdig, weil Christus diesen berührt hat und weil er stellvertretend für Christus steht, was nicht nur für das ‚Original‘, sondern für jegliche Nachbildung gilt (Iserloh 1995).

Eine oder meine Geschichte? oder: was ist die (richtige) Erzählung?
Damit der Trier Rock als wertvoll angesehen wird, benötigt dieser die Erzählung, der Rock Christi zu sein. Der Graue Rock als Text soll mehr als die Trier Reliquie als Rock Christi zu legitimieren. Die Erzählung Der Graue Rock soll dabei unterstützen, Triers Reliquie zu propagieren, aus Trier einen Sehnsuchts- und Zielort für Pilgerscharen und nicht zuletzt zu einer lukrativen Einnahme zu machen. Die Sehnsucht nach dem (himmlischen) Jerusalem, der eigentlichen Heimat der Christen, wird über Artefakt und Text genährt.
Als Maximilian I. 1512 die Rockreliquie öffentlich zur Schau stellen lässt, um seine göttlich inspirierte Errungenschaft zu feiern, und zugleich Trier als wichtigen Pilgerort neben Aachen und Köln zu installieren, werden große Feierlichkeiten und eine Pfingstwallfahrt unternommen, die 100 000 Menschen anlocken. Im Zuge dessen wird die Erzählung Der Graue Rock zwei Mal, einmal in Vers und einmal in Prosa gedruckt (Kiening 2006: 382).
Die Koppelung von Erzählung und Artefakt wird z. T. kritisiert. So zweifelt der Rektor der Trier Universität, Johannes Enen (1514), nicht nur an der Authentizität des Textes – er hält diesen für rein fiktional – sondern aus reiner Gewinngier hergestellt (Meves 1976: 229).
Die scharfe Antwort von Johannes Enen lässt dabei jedoch vermuten, dass eine (glaubhafte) Lektüre des ‚Orendels‘ vorhanden oder zumindest wahrscheinlich war. Denn wenn keiner diese Erzählung ernst nahm, warum machte man sich dann die Mühe, eine solche Kritik zu verfassen?
Dinge und Geschichte(n) = Zugehörigkeit, Verbundenheit und vielleicht sogar Heimat?
Ausgehend von dem Bibeltext, der Helena-Legenden, dem Grauen Rock und der Reliquie möchte ich abschließend über die Notwendigkeit von Geschichten für die Entstehung von Zugehörigkeit, Verbundenheit und auch Heimat nachdenken.
Ein Ding braucht eine Geschichte, die mit ihr verbunden wird, die akzeptiert und auch geglaubt wird, um Verbundenheit und Zugehörigkeit entstehen zu lassen. Artefakt und Geschichte bedingen sich wechselseitig. Dabei nimmt die Geschichte einen größeren Raum ein, als die Authentizität des Dings. Denn dass in Trier der tatsächliche Rock Christi liegt, wurde immer wieder auch in Zweifel gesetzt (Iserloh 1995: 171). Mit der Erzählung, dass es sich um den Rock handelt, gekoppelt mit gefälschten Einträgen in die Geschichtsdarstellung der Stadt Trier und einer Tuchreliquie, die man bereits hatte und nicht zuordnen konnte, der öffentlichen Zurschaustellung und Inszenierung und dem Nachdruck des Grauen Rock wird eine umfassende Erzählung generiert.
Um Zugehörigkeit und Verbundenheit zwischen Artefakt und ein Gegenüber herzustellen, ist eine Erzählung unumgänglich. Eine solche kann aus Erlebnissen, Erinnerungen oder eben nicht selbst erlebten Erzählungen gesponnen sein. Bei letzterem ist die Verknüpfung und die Herstellung von Zugehörigkeit wohl am heikelsten, da die Geschichte, die für den Aufbau einer emotionalen Komponente zum Ding benötigt wird, nicht von einem selbst, sondern von außen stammt (Fuhs 2014: 84).
Im Fall vom Rock Christi zeigt sich, wie diese äußere Narration mehr oder weniger erfolgreich sein kann. Denn der Bibel- und Legendentext, gekoppelt mit dem Artefakt und dem Text Der Graue Rock bewegen 100 000 Menschen Anfang des 16. Jahrhundert nach Trier zu kommen, wenngleich sich auch kritische Stimmen erheben.
Dass Dinge durch Geschichte emotional aufgeladen werden und zugleich Verweischarakter auf Geschichten haben, wird bei der Rockreliquie deutlich. Dinge können stellvertretend für etwas stehen, das sinnlich nicht erfassbar ist (Fuhs 2014: 78). Im Fall der Rockreliquie steht der Rock aufgrund seiner mehrdimensionalen Erzählungen für eine Heilsgewissheit, für eine Erlösung und auch eine ewige Heimat nach dem Tod. Trier wird über die Reliquie mit Jerusalem verbunden. Das irdische Jerusalem verweist dabei auf das himmlische. Die Rockreliquie kann über den Verweischarakter zu so etwas wie ein Modell für Orientierung auf Erden und in weiterer Folge die himmlische Heimat sein.
Literatur:
- Almann von Hautvillers: Lebensbeschreibung oder eher Predigt von der Heiligen Helena, hrsg., übers. u. komm. von Paul Dräger, Trier 2007.
- Bildhauer, Bettina: Medieval Things. Agencs, Materiality, and Narratives of Object in Medieval German Literature and Beyond. Columbus, OH 2020.
- Bowden, Sarah: Bridal-Quest Epics in Medieval Germany. A Revisionary Approach. Cambridge 2012 (MHRA Texts & Dissertations 85).
- Curschmann, Michael: ‚Orendel‘ (‚Der Graue Rock‘), in: Ruh, Kurt u. a. (Hg.): Verfasserlexikon – Die deutsche Literatur des Mittelalters, Bd. 7: ‚Oberdeutscher Servatius‘ – Reuchart von Salzburg, Berlin/New York 1990, Sp. 43–48.
- Drijvers, Jan W.: Helena Augusta. The Mother of Constantine the Great and the Legend of Her Finding oft he True Cross, Leiden u. a. 1992 (Brill’s Studies in Intellectual History 27).
- Fuhs, Burkhard: Der Zauber der Dinge in der Kindheit. Materielle Kinderkultur im Kontext von Sach- und Erinnerungsforschung, in: Schachtner, Christina (Hg.): Kinder und Dinge. Dingwelten zwischen Kinderzimmer und FabLabs, Bielefeld 2014, S. 63–88.
- Jaspert, Nikolas: Das Heilige Grab, das Wahre Kreuz, Jerusalem und das Heilige Land. Wirkung, Wandel und Vermittler hochmittelalterlicher Attraktoren, in: Pratsch, Thomas (Hg.): Konflikt und Bewältigung. Die Zerstörung der Grabeskirche zu Jerusalem im Jahre 1009, Berlin/Boston 2011 (Millennium-Studien 32), S. 67–95.
- Iserloh, Erwin: Der Heilige Rock und die Wallfahrt nach Trier, in: Aretz, Erich u. a. (Hg.): Der Heilige Rock zu Trier. Studien zur Geschichte und Verehrung der Tunika Christi. Anläßlich der Heilig-Rock-Wallfahrt 1996 im Auftrag des Bischöflichen Generalvikariates, Trier 1995, S. 163–172.
- Kiening, Christian: Hybriden des Heils. Reliquie und Text des Grauen Rocks um 1512, in: Strohschneider, Peter (Hg.): Literarische und religiöse Kommunikation in Mittelalter und Früher Neuzeit. DFG-Symposion 2006, Berlin/Boston 2009, S. 371–410.
- Kohnen, Rabea: Die Braut des Königs. Zur interreligiösen Dynamik der mittelhochdeutschen Brautwerbungserzählungen, Berlin/Boston 2014 (Hermaea 133).
- Meves, Uwe: Studien zu König Rother, Herzog Ernst und Grauer Rock (Orendel), Frankfurt a. M. 1976 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 1, 181).
- Miedema, Nine: Handschrift und Druck, Vers und Prosa. Beobachtungen zu den Redeszenen im ‚Orendel‘, in: Cieslik, Karin/ Perplies, Helge u. Schmid, Florian (Hg.): Materialität und Formation. Studien zum Buchdruck des 15. Bis 17. Jahrhunderts, Bremen 2016, S. 113–147.
- Orendel, hrsg. von Walter J. Schröder, in: Ders. (Hg.): Spielmannsepen II. Texte, Nacherzählungen, Anmerkungen und Worterklärungen. Darmstadt 1976.
- Orendel, hrsg. von Hans Steinger, Halle/Saale 1935.
Danksagung:
Ich bedanke mich bei Tobias Klich und Janine Schmitz, die so freundlich waren, mich an Ihrem Wissen und Ihrer Forschung zum ‚Orendel‘, teilhaben zu lassen.
Darüber hinaus bedanke ich mich sehr herzlich beim Trier Dom für die Erlaubnis, ein Bild vom Heiligen Rock von Trier abzulichten.
Kommentar von Nicholas Beckmann, TP C01
Nora Grundtner diskutiert in ihrem Beitrag Ein Rock im Mittelalter zwischen Text und Artefakt eindrücklich, dass ein Ding erst dann zum (Heimat-)Artefakt wird, wenn es durch den Kontext, durch die damit verbundene Erzählung mit (historischer, biblischer, legendarischer) Bedeutung aufgeladen wird. Am Beispiel des ungenähten Rocks Christi, der sich als Reliquie in Trier befindet, zeigt sie auf, wie der graue Rock erst durch die Erzählung zur Reliquie aufgewertet wird. Wenn Ding und Text zusammengeführt werden, kommt Heimat in der transzendenten Bedeutungsdimension auf das Tableau. Über die Erzählung Der Graue Rock ist der Konnex zwischen Heiligem Rock Christi, (himmlischem) Jerusalem und Heiligem Grab erzählerisch abgesichert und deshalb authentisch, jedenfalls für all jene, die der Erzählung folgen, an sie glauben. Ob es sich tatsächlich um das „Original“ handelt, ist dabei nicht wichtig, verbürgt doch der Kontext die religiös-affektive Bedeutungsdimension des Kleidungsstückes und umgibt die Reliquie somit auratisch. So wird aus dem unprätentiösen Kleidungsstück der „Heilige Rock“, der – ausgestellt als Reliquie – 100 000 Menschen nach Trier pilgern lässt. Der Rock Christi stellt eine Verbindung zwischen Trier und (irdischem) Jerusalem her und verweist so auf die himmlische Heimat.
Die interdisziplinären Anschlusspunkte dieser Erkenntnisse sind vielfältig: Für die Public History und das Teilprojekt C01 zeigt sich hieran unbedingt, wie historisierungsbedürftig Dinge sind und dass erst durch die Kontextualisierung und die narrative Vermittlung eine Bedeutungsaufladung (ob affektiv, religiös oder historisch) stattfindet. Das gilt ebenso für Museumsdinge wie für literarische Texte oder Reliquien.