Call for Papers: Heimat und Familie
Poetiken relationaler (Nicht-)Zugehörigkeiten in Literatur, Textmusik und Künsten der Gegenwart

Heimat und Familie modellieren als plurale und relationale Kategorien das Verhältnis von Nähe und Distanz und damit unterschiedliche Formen von Zugehörigkeit. Sie lassen sich als Phänomene verstehen, die juristisch und legislativ, d.h. normativ fassbar sind. Gleichzeitig sind sie Praktiken, die von rituellen Wiederholungsstrukturen, affektiven Erfahrungen, materiellen Bindungen und kulturellen und arealen Kontexten abhängen. In dieser Dynamik erweisen sich Heimat(en) und Familie(n) als strukturell krisenanfällige Größen, deren Kontur häufig erst in Situationen von Bruch und Verlust, Mobilität und Gewalt sichtbar wird. Zugleich fungieren sie als Narrative, die mittels kollektiver und individueller Erinnerung und Selbstvergewisserung über äußere und affektive Veränderungen hinweg Zugehörigkeit und Nähe schaffen.
Der interdisziplinäre Workshop wird zusammen vom Graduiertenkolleg „Family Matters“ (LMU München) und dem Sonderforschungsbereich „Heimat(en)“ (Universität Heidelberg, SFB 1671, TP C04) veranstaltet. Er lädt ausgehend von literarischen und musikalischen Formsprachen bzw. Künsten der Gegenwart (ab den 2000er Jahren) dazu ein, „Poetiken relationaler (Nicht-)Zugehörigkeit“ zu untersuchen und damit die komplexen Dynamiken von Zugehörigkeit und Ausschluss, Entfremdung und Verlust, Nähe und Distanz im Spannungsfeld zwischen Heimat(en) und Familie(n) in den Blick zu nehmen.
Wir interessieren uns in Anschluss an aktuelle kulturwissenschaftliche Forschungen u.a. zu Doing Family, Belonging, Mobilität und prozessual-dynamischen Modellen von Heimat(en) und Familie(n) nicht isoliert für Fragen der Repräsentation und Diskursivierung von entsprechenden sozialen Praktiken, sondern insbesondere für deren ästhetische Gestaltung und poetologische Reflexion. Damit kommt ästhetisch-poetischen Verfahren eine besondere Rolle zu. Denn sie modellieren und strukturieren das Verhältnis von Nähe und Distanz, Vertrautheit und Verlust, Bindung und Entfremdung und lassen damit Formen relationaler (Nicht-)Zugehörigkeit erst sinnlich erfahrbar werden. Dies kann etwa durch Rhythmisierung und Klanglichkeit, Segmentierung und Fragmentierung, Wiederholung und Variation, Performanz und Theatralität, (intermediale) Bildlichkeit und Materialität, Collage und Montage geschehen.
Der am 14. und 15. Oktober 2027 in München stattfindende Workshop ist diskussionsorientiert konzipiert:
Format: Vorgesehen sind Slots à 60 Minuten zur gemeinsamen Diskussion wissenschaftlicher Beiträge – in einer vorläufigen Schriftversion – sowie der in den Beiträgen besprochen Primärwerke (in Auszügen). Die Beiträge und Auszüge sollen vor dem Workshop eingereicht werden, so dass nach einer kurzen Präsentation des jeweiligen Artikelentwurfs 45 Minuten für den gemeinsamen Austausch und weiterführende Diskussionen bleiben. Nähere Informationen dazu folgen nach der Zusage.
Institutioneller Rahmen: Der Workshop ist eine Veranstaltung des GRK 2845 (LMU) und des SFB 1671 (Universität Heidelberg) und baut auf hier geleistete Forschungen auf.
Keynote und öffentliche Veranstaltungen: Der Workshop ist eingebettet in die Leo Spitzer Lecture for Poetry 2027. Öffentliche Veranstaltungen finden gemeinsam mit dem Lyrik Kabinett und anderen Münchner Kulturinstitutionen statt.
Wir bitten Interessent:innen, uns bis zum 1. Feburar 2027 auf Deutsch oder Englisch einzureichen:
- ein Abstract (ca. 300–400 Wörter)
- eine kurze biographische Notiz (max. 100 Wörter)
- an und